Das war schon ganz schön frech, was Pascal Löhmann da zelebrierte: Aus ganz spitzem Winkel lief der Offensivmann unserer Landesliga-Fußballer gestern auf Kevin Kuhfeld zu und lupfte die Kugeln ansatzlos über den Keeper des Brinkumer SV hinweg in die lange Ecke. „Ein Traumtor“, wie Co-Trainer Manuel Meyer staunte. Löhmanns Geniestreich in der 90. Minute war auch gleichzeitig der Schlussakkord in einer insgesamt sehr stimmigen Sulinger Leistung. Mit 5:0 besiegte der TuS Sulingen den Bremenligisten im kleinen Finale des hauseigenen Blitzturniers und zeigte dabei im Vergleich zur 0:5-Halbfinalpleite vom Vortag gegen Oberligist Germania Egestorf/Langreder ein ganz anderes Gesicht. „Nach der Niederlage vom Samstag wollten wir bei unserem eigenen Turnier zumindest Dritter werden. Und wir haben ein gutes Spiel gezeigt. Es war ein guter Test“, freute sich „Manu“.

Der gleich mit einem Paukenschlag begann: Pierre Neuse bediente in der zweiten Minute Marvin Zawontny auf der linken Seite, der von der Grundlinie aus zurücklegte. Tim Rieckhofs abgefälschter Schuss landete genau vor den Füßen von Neuse, der zentral vor dem Kasten ungehindert zum 1:0 einschob. Das frühe Tor tat den Hausherren gut. Defensiv ließen die Sulinger kaum etwas zu, spielten weiter gepflegt nach vorn, vergaßen dabei allerdings das Toreschießen. „Wir haben uns noch viele Chancen herausgespielt und hätten das zweite oder dritte Tor nachlegen müssen“, beklagte Meyer fehlende Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor. So war das 1:0 zur Pause zwar hochverdient, aber alles andere als komfortabel.

Torschütze J. Tero (links) (Foto Vogler)

„Wir haben in der Pause gesagt, dass wir uns nach dem Wechsel für unsere engagierte Leistung jetzt auch mit Toren belohnen müssen“, berichtete die rechte Hand von Trainer Walter Brinkmann. Gesagt, getan: In der 55. Minute unterband Zawontny einen Brinkumer Spielaufbau, passte schnell zu Jegerchwin Tero, der den Ball aus 15 Metern trocken und flach ins lange Eck wuchtete – 2:0. In der 68. Minute der nächste Treffer: Marius Niemeier schlug einen Eckball vom Tor weg, Neuse köpfte auf den zweiten Pfosten zu Tim Rieckhof, der sich plötzlich in einem Sekunden-Fight mit Keeper Kuhfeld wiederfand: Rieckhofs ersten Kopfball parierte der Brinkumer noch glänzend, am „Nach-Kopfball“ gab`s dann aber nichts zu halten – 3:0.

Doppeltorschütze p. Löhmann (Mitte) (Foto Vogler)

Damit war der TuS-Torhunger aber noch nicht gestillt. Zehn Minuten vor dem Abpfiff spekulierte Löhmann auf den Fehlpass eines Brinkumer Verteidigers, ging dazwischen und belohnte seine Schlitzohrigkeit mit dem 4:0. Und mit seinem eingangs erwähnten Lupfer zum 5:0-Endstand (90.) schnürte „Löhmi“ schließlich seinen Doppelpack. „Wir wollten nach dem Wechsel die Tore machen und haben sie auch gemacht. Und obwohl wir nach gut einer Stunde wieder durchgewechselt haben, entstand diesmal bei uns kein Bruch im Spiel“, sagte Manuel Meyer, der aber auch einräumte: „Brinkum hatte sicher nicht seine erste Elf am Start.“

Und das war auch so gewollt. Nach der starken Leistung über 70 Minuten am Vortag beim 0:3 gegen Regionalligist BSV Rehden hatte Brinkums Trainer Mike Gabel bereits angekündigt, im kleinen Finale komplett durchzuwechseln, um den Spielern eine Chance zu geben, die sonst etwas hinten dran sind. „Wir haben die Mannschaft quasi einmal auf links gezogen“, sagte der BSV-Coach. Ihm war bewusst gewesen, dass bei der Leistungsbreite innerhalb seines Kaders eine Differenz bestehen würde zwischen denen, die am Samstag gespielt hatten und denen, die nun auf dem Platz standen. Dass der Unterschied aber so eklatant groß war, enttäuschte den Trainer schon. „So zufrieden wie ich Samstag war, so unzufrieden bin ich heute. Diese Spieler sind bei Weitem nicht so weit. Das hat nicht gereicht für dieses Niveau.“ Vor allem habe die nötige Schnelligkeit gefehlt. Gabel: „Wir sind nur hinterhergelaufen.“

Die Spieler hätten alle den Anspruch, in den Kader kommen zu wollen, „doch damit brauchen sie mir in der nächsten Zeit nicht anzukommen. Sie müssen im Training Gas geben, und beweisen, dass sie es vielleicht schaffen können.“ Wenn nicht, dann seien sie der Aufgabe nicht gewachsen und müssten sich im Sommer eine andere suchen. „Dann reicht das nicht für uns und unsere Ansprüche. Das klingt hart, ist aber die Wahrheit“, redete Gabel nach der Partie Klartext. Gegenüber der Leistung von Samstag sei das heute „ein Dreiklassenunterschied gewesen“.

 

Autor: Arne Flügge