Ex-Werder-Star adelt Richard Sikut, hat als Trainer des FC Verden 04 eine Menge Spaß und noch ganz viel vor

Frank Neubarth besucht den TuS Sulingen. Nein, der ehemalige Stürmer-Star des SV Werder Bremen schaut am 1. Februar nicht mal eben auf eine Tasse Kaffee in Clubhaus vorbei. Der 57-Jährige kommt als Trainer des Landesligisten FC Verden 04 mit seiner Mannschaft zum Blitzturnier. Im Interview mit tus-sulingen.de spricht Neubarth über sein Engagement in Verden, seine Ziele dort, und was er an seinem Spieler Richard Sikut – dem Ex-Sulinger – besonders schätzt. Zudem hat er eine klare Meinung zur Situation seines ehemaligen Vereins Werder Bremen, für den er zwischen 1982 und 1996 insgesamt 317-mal in der Bundesliga auflief und dabei 97 Tore schoss. Ferner erzielte er 25 Tore im DFB-Pokal und 13 Treffer in den europäischen Vereinswettbewerben für Werder.

Frank, Du bist seit fast einem Jahr Trainer des FC Verden 04. Wie kam das Engagement damals zustande?

Frank Neubarth: Das muss vor einem dreiviertel Jahr zur Osterzeit gewesen sein. Der Kontakt kam über Dieter Burdenski zustande, der wiederum Andreas Höttler, den Clubchef des FC Verden, kennt. Die Mannschaft stand damals nicht so gut da, und ausgelegt war meine Zeit eigentlich auf sieben Spiele bis zum Saisonende. Ich sollte versuchen, das Team da unten rauszuholen, dann mal gucken, ob es klappt oder nicht und dann sehen, wie es weitergeht. Das war für mich der Reiz an der Sache und auch gleichzeitig ein spannendes Projekt. Dass sich das Ganze dann verlängert hat, war damals sicherlich so nicht vorauszusehen.

Und jetzt hast du Deinen Vertrag gerade noch einmal um ein weiteres Jahr bis zum Sommer 2021 verlängert.

Neubarth: Ja, denn es macht mir einfach Spaß mit den Jungs. Wir haben eine relativ junge Truppe, die sich noch entwickeln kann. Das ist wiederum sehr reizvoll.

Du hast die Mannschaft letztes Jahr vor dem Abstieg gerettet, in dieser Saison belegt ihr derzeit einen starken siebten Platz.

Frank Neubarth und Co-Trainer Dressler

Neubarth: Es wäre noch mehr drin gewesen, doch es ging in dieser Saison bisher viel auf und ab. Wir haben gute Leistungen gezeigt, dann wiederum nicht so gute. Uns fehlt die Konstanz innerhalb der Spiele, daran müssen wir arbeiten. Wir haben zudem zu viele Punkte verschenkt. Unentschieden waren wie gefühlte Niederlagen, weil wir entweder kurz vor Schluss noch den Ausgleich bekommen oder einen Elfmeter verschossen haben. Dadurch wurden wir immer wieder zurückgeworfen. Andererseits müssen wir aber auch berücksichtigen, dass sechs A-Jugendspieler hochgekommen sind, die auch noch die nötige Zeit brauchen.

Und was geht da jetzt noch nach der Winterpause?

Neubarth: In erster Linie müssen wir den Abstand nach unten halten. Bei vier Absteigern in einer 16er-Staffel kannst du ganz schnell mal wieder da reinrutschen. Der Zug nach ganz oben ist abgefahren. Wir müssen sehen, dass wir stabiler sind und die Spiele gewinnen, die wir in der Hinrunde hätten gewinnen können.

Die Entwicklung junger Spieler, ein intaktes Umfeld und der Wunsch, vielleicht mittelfristig an die Tür zur Oberliga zu klopfen – das klingt nach einem neuen Projekt. Auch ein Grund für deine vorzeitige Vertragsverlängerung?

Neubarth: Natürlich war das ausschlaggebend. Hier kommen alle sehr gut miteinander klar. Ich habe in Andreas Dressler einen super Co-Trainer, wir haben viele junge, hungrige Spieler und der Verein ist in vielen Bereichen für die Landesliga sehr gut aufgestellt. Ich denke da an die medizinische Abteilung, die sehr wichtig ist. Wir haben einen Kunstrasenplatz und damit auch im Winter gute Trainingsmöglichkeiten. Natürlich wollen wir unsere junge Mannschaft noch punktuell verstärken und dann vielleicht versuchen, schon in der nächsten Saison weiter oben anzugreifen.

In Deiner Mannschaft spielt seit Saisonbeginn ein ehemaliger Sulinger: Richard Sikut, auch der „Einwurf-König“ genannt. Kann „Richie“ die Dinger immer noch so hart wie eine Flanke in den Sechszehner schmettern?

Neubarth (lacht): Oh ja, das hat er immer noch drauf… Aber das ist nicht der entscheidende Faktor. Richie ist ein feiner Junge, ein richtig guter Typ. Er trainiert gut, zeigt Engagement und ist mit seinem Auftreten eine Bereicherung für uns. Er passt einfach gut hier her. In der Hinrunde fehlte er allerdings ein paar Wochen, weil er geheiratet hatte. Das war schön für ihn, aber nicht so gut für uns. Das hat uns in einigen Spielen etwas den Rhythmus gekostet.

Du warst Bundesliga-Trainer bei Schalke 04. Würde es dich noch einmal reizen, wieder ins ganz große Geschäft einzusteigen?

Neubarth: Ich bin ja nicht von einem anderen Stern. Von daher weiß ich, dass der Zug dafür für mich schon sehr lange abgefahren ist. Da gebe ich mich auch keinen Illusionen hin. Und das ist auch absolut in Ordnung. Das, was ich jetzt mache, das macht mir richtig Spaß. Von daher gibt es überhaupt keine Gedanken, vielleicht noch einmal wieder Trainer in der zweiten oder dritten Liga zu werden.

Du hast 14 Jahre lang für Werder Bremen gespielt. Aktuell ist der Club in der Bundesliga in akuter Abstiegsgefahr. Machst Du Dir große Sorgen um Werder?

Neubarth: Was heißt große Sorgen? Sicherlich nicht in dem Sinne. Die Situation Ende letzten Jahres wurde bei Werder unterschätzt. Jetzt wurde alles auf links gedreht und der Abstiegskampf ausgerufen. Ich denke, sie werden ganz schön strampeln müssen, um da unten rauszukommen. Sicherlich hat die Mannschaft Qualität, aber wenn du immer wieder Verletzte hast, ist es auch schwer, das zu kompensieren. Der Knackpunkt ist: Die Situation wurde zu lange schöngeredet, der wirkliche Ernst der Lage jetzt erst erkannt.

Interview: Arne Flügge (Fotos: vde)